Christie’s versteigerte Nazi-Raubkunst


Das traditionsreiche britische Auktionshaus Christie’s weigert sich, das NS-Raubkunst-Gemälde, das es vor neun Jahren einem Basler Kunsthändler verkaufte, zurückzunehmen. Quelle

Bevor ein Kunsthändler ein Objekt kauft, erkundigt er sich bei offiziellen Stellen nach der Herkunft, um Hehlerware auszuschliessen. Ausnahmen macht man bei grossen, bekannten Händlern, wie zum Beispiel dem traditionsreichen britischen Christie’s: «Ich bin davon ausgegangen, dass Christie’s entsprechende Nachforschungen anstellt, bevor es Ware versteigert», sagt der Basler Kunsthändler Alain Dreyfus. Der 71-Jährige ersteigerte im November 2008 in New York ein Gemälde des französischen Impressionisten Alfred Sisley mit dem Titel «Premier jour de printemps à Moret» von 1889, für damals 338’500 US Dollar. Nun stellte sich heraus, dass das Gemälde eigentlich der jüdisch-französischen Familie Lindenbaum gehört – es handelt sich also um NS-Raubkunst.

Mondex deckt Raub auf

Die Nationalsozialisten raubten das Bild im Jahr 1940; bis Kriegsende verblieb es in der Kunstsammlung von Reichsmarschall Hermann Göring. Das findet sich in der sogenannten Provenienz, also in der Herkunftsangabe zum Gemälde, die Christie’s zum Zeitpunkt des Verkaufs angab, jedoch nicht. Laut Christie’s war der Sisley 1923 im Besitz von M. Perdoux und wurde 1972 von Wildenstein et. Cie. in Paris gekauft. Für die Zeit dazwischen machte das Auktionshaus keine Angaben. Vor zwei Jahren kontaktierte Mondex, eine Firma, die auf Raubkunst spezialisiert ist, Dreyfus, um ihn auf die Herkunft seines Gemäldes hinzuweisen. Der Kunsthändler forderte daraufhin das Restitution Department von Christie’s in New York auf, das Bild zurückzunehmen. «Ich habe ihnen gesagt, dass das Bild gestohlen ist und ich mein Geld zurück möchte», sagt Dreyfus. Christie’s zeigt sich zwar bereit, bei der Aufklärung der Sache zu helfen, zahlen wollen sie jedoch nicht.

«Polizisten standen vor meiner Tür»

Derweil hat Familie Lindenbaum sich an die französischen Behörden gewandt, die anordneten, das Gemälde sicherzustellen. Einem Rechtshilfeersuchen, das 20 Minuten vorliegt, hat die Basler Staatsanwaltschaft am 20. November 2017 stattgegeben. «Zwei Schweizer Polizisten standen mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss vor meiner Tür und wollten das Gemälde mitnehmen», erzählt Dreyfus. Da es sich jedoch zu dem Zeitpunkt in einem Banksafe, durfte es dort auch verbleiben. Nur: «Verkaufen darf ich es nicht», so Dreyfus.

Auf Anfrage von 20 Minuten liess Christie’s New York verlauten, dass man sich zu dem laufenden Verfahren, in dem mehrere Parteien involviert sind, nicht äussern möchte.

Dreyfus möchte Betreibung einleiten

Dreyfus fordert, dass Christie’s das Bild zurücknimmt oder entsprechende Arrangements mit den Lindenbaums trifft, um das Bild für ihn freizustellen. Er hat dem Auktionshaus mittlerweile eine Rechnung über 750’000 Franken geschickt – denn soviel sei das Bild mittlerweile wert.Zahlt das renommierte Auktionshaus innerhalb der Frist nicht, werde er eine Betreibung einleiten, was bedeutet, dass ein Gericht über den Fortlauf der Sache entscheiden wird.

Die Geschichte lebt!

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